Ärger im Hecht

Von: Redaktion
Am: 03.12.2003  09:51:06

200 Millionen Euro wurden seit der Wende im Hecht investiert, allein 23 Millionen davon waren Fördermittel. Drei Viertel aller Wohnungen hier sind saniert, die meisten Straßen in annehmbarem Zustand, Spielplätze vorhanden, und die Rudolf-Leonhard-Straße entwickelt sich, allen Unkenrufen zum Trotz, sogar einigermaßen wunschgemäß zur Einkaufsstraße. Trotzdem wird der Stadtteil seinen Ruf als Schmuddelviertel nicht los.
Dabei sprechen die Zahlen eine andere Sprache: Das Durchschnitteinkommen hier ist höher als in den meisten anderen Stadtteilen, hier leben prozentual die meisten Leute mit Abitur oder Hochschulabschluss, und seit 1999 ist das Viertel sogar ein Zuzugsgebiet: Es ziehen mehr Leute hierher als weg. „Stabile Strukturen“ heißt so etwas im Soziologendeutsch. Doch diese erweisen sich bei näherem Hinsehen als ausgesprochen fragil. Kaum kündigt die Wohnungslosenhilfe an, ihren Obdachlosentreff hierher zu verlagern, gibt es einen hysterischen Aufschrei im Viertel. „Hier gibt’s schon genügend negative Sozialprojekte“, sagte Holger Mueller der SZ, als er noch reden durfte. Unterschriften gegen das Projekt wurden gesammelt, ein Pflasterstein flog durch eine Scheibe im eben erst fertig sanierten „Niklashof“.
Was ein paar Straßenzüge weiter in der Äußeren Neustadt funktioniert, nämlich ein einigermaßen tolerantes Zusammenleben unterschiedlicher Leute – hier funktioniert es ganz offenbar schlecht.

Was ist los im Hecht, dass der „Niklashof“ solche Wellen schlägt? Kann ein Wohnungslosenprojekt ein Viertel zum Kippen bringen? Oder ist es der berühmte Tropfen, der ein Fass schon lange bestehender Probleme zum Überlaufen bringt?





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